Schneller Einstieg ins Mehrweg-Pfandsystem wird gefördert


Jedes Jahr werden allein in Deutschland jährlich circa 2,8 Milliarden Einwegbecher für Getränke zum Mitnehmen genutzt, die nach einmaligem Gebrauch im Müll landen. Zur Reduzierung des Mülls sieht ein neues Bundesgesetz vor, dass ab dem kommenden Jahr Gastronomie-Betriebe ihren Kunden auch Mehrweg-Alternativen anbieten müssen. Die Stadt Fellbach unterstützt eine vorzeitige Einführung des Mehrweg-Systems bereits in diesem Jahr durch ein neues Förderprogramm, das der Gemeinderat im Mai einstimmig beschlossen hat.

„Wir alle wissen, dass die unterschiedlichen To-Go-Produkte zu mehr Müll führen“, sagte Julian Deifel in der Gemeinderatssitzung. Der Fellbacher Einzelhandelskoordinator plädierte dafür, möglichst zügig ein einheitliches Mehrweg-System in Fellbach einzuführen. „Wir können gemeinsam mit den Gastronomen für ein saubereres Stadtbild sorgen, die Abfallmenge reduzieren und mit gutem Beispiel vorangehen“, betonte der Einzelhandelskoordinator. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat wollen allerdings nicht bis zur gesetzlichen Verpflichtung warten, sondern schon jetzt die Verwendung von Mehrweg-Behältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen in der Fellbacher Gastronomie unterstützen. „Wir möchten die gesetzliche Verpflichtung durch einen städtischen Anreiz verstärken“, sagte Johannes Berner, der Erste Bürgermeister. Über ein kommunales Förderprogramm soll daher ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden.

In einigen gastronomischen Betrieben besteht bereits die Alternative, das Essen in Mehrweg-Behältern mitzunehmen. Bisher werde mehrheitlich das System von Recup in Fellbach genutzt, so die Umfrage des Einzelhandelskoordinators. Kunden bezahlen für die Nutzung des Geschirrs ein Pfand und können bei allen Betrieben, die das System nutzen, bei Rückgabe der Behälter das Pfand wieder einlösen. Über das Fellbacher Programm erhalten Gastronomie-Betriebe, die sich bis zum 01. Juli 2022 für einen Vertrag mit einem Mehrweg-Partner entscheiden, eine Erstattung der Teilnahmegebühr in Höhe von bis zu 31 Euro pro Monat und Betrieb. Die Erstattung ist für höchstens sechs aufeinanderfolgende Monate möglich. Bei einem Fördervolumen von insgesamt 5000 Euro können bis zu 26 Betriebe unterstützt werden. Mit dem Programm könne auch „mit einem geringen finanziellen Beitrag viel bewirkt werden“, sagte der Erste Bürgermeister, „allerdings ist auch ein Umdenken der Menschen notwendig.“

Die durch Einmal-Verpackungen verursachten Müllmengen seien erschreckend, betonte SPD-Stadtrat Gökay Sofuoglu, „aber wir wissen auch, dass Fellbach allein das Problem nicht stemmen kann.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Plappert sieht die vorzeitige Einführmöglichkeit als eine Art Testlauf. Er ist sich sicher: „Auch wenn wir nur eine kleine Müllmenge vermeiden können, ist das schon ein gutes Argument.“ Stadträtin Karin Ebinger (FW/FD) befürwortete nicht nur das Mehrweg-Pfandsystem, sondern würdigte auch die vielen Veränderungen im Zusammenhang mit der Müllvermeidung, die die Fellbacher Gastronomie-Betriebe bereits umgesetzt hätten. Ebinger gab lediglich zu bedenken, dass der für die Verwaltung entstehende Aufwand sehr hoch sein könnte.

Einzelhandelskoordinator Julian Deifel präsentiert die Mehrweg-Behälter. 

Weitere Informationen

Der Einzelhandelskoordinator bietet zusammen mit der Firma Recup/Rebowl am 9. Juni eine Informationsveranstaltung für Gastronomiebetriebe zum Thema an. Die Einladung erfolgt in den nächsten Tagen. Dabei wird Ines Grau, Bäckerei Grau, auch von ihren Erfahrungen mit dem System berichten, das sie bereits in ihren Bäckereifilialen eingeführt hat.

^
Redakteur / Urheber
© Pressereferat der Stadt Fellbach