Das Klimaschutzkonzept für Fellbach wurde im April 2025 dem Gemeinderat vorgestellt. Damit ging ein intensiver Beteiligungsprozess zu Ende, an dem Verwaltung, Bürgerschaft, Politik und Stadtwerke gemeinsam mitgewirkt haben.
Die wichtigsten Ergebnisse sind auf dieser Seite kompakt zusammengefasst.
Der vollständige Endbericht kann über den folgenden Link heruntergeladen werden:
Das IKK liefert Antworten auf folgende Fragen ...
Die Stadt Fellbach engagiert sich seit vielen Jahren aktiv für den Klimaschutz – mit konkreten Projekten, Förderprogrammen und nachhaltigen Konzepten.
Gemeinsam mit den Stadtwerken, an denen die Stadt Fellbach zu 87 % beteiligt ist, werden Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie Biogas- und Biomethanprojekte umgesetzt. Zusätzlich sorgt eine moderne Strom- und Wärmeerzeugung mit Blockheizkraftwerken für effiziente Energieversorgung. Die Straßenbeleuchtung wird auf energiesparende LEDs umgestellt und die Ladeinfrastruktur für E-Autos kontinuierlich ausgebaut.
Für die Bürgerschaft gib es Zuschüsse für Wärmeschutz- und Energiesparmaßnahmen an Wohngebäuden und für steckerfertige Photovoltaikanlagen.
Darüber hinaus erarbeitet(e) die Stadt wichtige Konzepte wie die kommunale Wärmeplanung, ein Quartierskonzept zur Klimaanpassung, ein betriebliches Mobilitätsmanagement sowie eine Radnetzkonzeption und einen Verkehrsentwicklungsplan, um den Klimaschutz weiter zu verstärken und nachhaltige Strukturen in der Stadt zu schaffen.
Fellbach hat in den letzten Jahren wichtige Grundlagen für den Klimaschutz geschaffen und zahlreiche Projekte angestoßen. Dennoch zeigen die aktuellen Zahlen: Der Handlungsbedarf bleibt groß.
Im Jahr 2019 lag der gesamte Endenergieverbrauch bei rund 845 GWh. Auf Basis der Energieverbräuche und der dafür eingesetzten Energieträger lassen sich die Treibhausgasemissionen berechnen. Im Jahr 2019 wurden in Fellbach demnach 263.371 Tonnen CO2e ausgestoßen und damit deutlich mehr, als mit den Klimazielen vereinbar ist. Den größten Anteil hatte der Wirtschaftssektor mit 38 %, gefolgt von den privaten Haushalte mit 34 % und dem Verkehr mit 26 %. Kommunale Liegenschaften verursachten lediglich 2 % der Emissionen in der Stadt.
Mehr Daten zur Erzeugung und zum Verbrauch von Strom und Wärme sowie zu den Emissionen im Verkehr gibt es auf der Seite zur
Es gibt zwei Wege, Emissionen zu senken:
- 1. Weniger Energie verbrauchen – durch Einsparungen und mehr Effizienz.
- 2. Saubere Energiequellen nutzen – erneuerbare Energien verursachen deutlich weniger CO₂.
Beispiel Stromverbrauch: In Fellbach könnte der Stromverbrauch durch gezielte Maßnahmen von heute rund 190.000 auf etwa 110.000 Megawattstunden pro Jahr sinken. Möglich wird das durch energieeffiziente Haushaltsgeräte, sparsame LED-Lampen und das Abschalten von Standby-Funktionen in Privathaushalten. Unternehmen können mit moderner Beleuchtung, optimierten Produktions- und Betriebsabläufen sowie stromsparender IT-Technik ihren Verbrauch senken. Auch die Kommune kann ihren Stromverbrauch deutlich reduzieren, indem sie beispielsweise auf LED für die Straßenbeleuchtung sowie Innen- und Hallenbeleuchtung in öffentlichen Gebäuden umstellt.
Nicht nur beim Strom, sondern auch durch einen geringeren Wärmeverbrauch und klimafreundlichere Mobilität lassen sich viele Emissionen einsparen. Wenn mehr Menschen Bus und Bahn nutzen, zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren und die Stadt ihre Fahrzeuge auf Elektroantrieb umstellt, wird das Klima spürbar entlastet. Weitere Einsparpotenziale entstehen, wenn landwirtschaftliche Flächen mehrfach genutzt und auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden. Auch der Einkauf umweltfreundlicher Produkte, mehr digitale Arbeitsmöglichkeiten wie Homeoffice, die Nutzung von Abfall und Abwasser, ein guter Umgang mit vorhandenen Flächen sowie Maßnahmen gegen Hitze, Starkregen oder Trockenheit tragen zum Klimaschutz bei.
Fellbach hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Das sogenannte Referenzszenario zeigt: Wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, verfehlt Fellbach dieses Ziel deutlich. Das Klimaschutzszenario hingegen beschreibt, was sich ändern muss, damit wir Klimaneutralität erreichen: eine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, mehr Effizienz und eine umweltfreundlichere Mobilität. Wenn alle vorhandenen Potenziale ausgeschöpft werden, könnten wir die CO₂-Emissionen um fast 90 % senken und den Energieverbrauch fast halbieren. Das Klimaschutzszenario ist deshalb unser Fahrplan auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Für das Klimaschutzkonzept wurden in Fellbach verschiedene Beteiligungsformate durchgeführt. Bei der Klimaschutzwerkstatt, dem Verwaltungsworkshop und im Gemeinderats-Workshop konnten die Beteiligten ihre Ideen einbringen, über die Herausforderungen diskutieren und Maßnahmen mitentwickeln. Diese Formate haben gezeigt, wie wertvoll lokales Wissen und verschiedene Perspektiven für den Klimaschutz sind. Diese Mitwirkung sorgt nicht nur für bessere Ergebnisse – sie schafft auch Identifikation mit dem Klimaschutz und motiviert zum Mitmachen. Wichtig ist jetzt, dass dieser Beteiligungsprozess weitergeht. Denn auch auf dem Weg zur Umsetzung und bei der Weiterentwicklung des Konzepts braucht es Ideen, Rückmeldungen und Unterstützung aus der gesamten Stadtgesellschaft.
Das Integrierte Klimaschutzkonzept für Fellbach enthält insgesamt 25 Maßnahmen, die in sechs Handlungsfelder unterteilt sind: Energie, Grüne Infrastruktur, Mobilität, Klimaneutrale Kommunalverwaltung, Kommunikation & Kooperation sowie Gesamt-Prozessmanagement. Die Maßnahmen sind die Grundlage, damit das Ziel Klimaneutralität bis 2040 gelingt. Dabei werden sie regelmäßig überprüft und angepasst. Die Abbildung zeigt die Verteilung der Maßnahmen auf die unterschiedlichen Handlungsfelder.
Mit einer guten Verstetigungsstrategie wird Klimaschutz in Fellbach zu einer dauerhaften Aufgabe für alle – nicht nur zu einem kurzfristigen Projekt von wenigen.
Bestehende Strukturen
In der Stadtverwaltung arbeiten bereits Fachkräfte an den Themen Wärme, Mobilität und Energiemanagement, unterstützt von einer Projektleitung für Umwelt- und Klimaschutz. Auch die Stadtwerke leisten mit einer eigenen Dekarbonisierungsstrategie einen wichtigen Beitrag. Zudem werden Klimaschutzbelange im neuen Ausschuss für Stadtentwicklung, Klimaschutz und Mobilität (SKM) regelmäßig in die Kommunalpolitik eingebracht.
Benötigte Strukturen
Um Klimaschutz langfristig zu sichern, braucht es eine Vollzeitstelle für das Klimaschutzmanagement, feste Budgets für eigene Projekte und mehr Austausch innerhalb der Verwaltung. Auch Schulungen für Mitarbeitende, eine regelmäßige Klimaschutzberichterstattung und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, Energieagenturen und anderen Kommunen spielen eine wichtige Rolle.
Klimaschutz geht uns alle an! Deshalb will die Stadt künftig noch gezielter informieren, beteiligen und motivieren – mit passenden Formaten und Kanälen für jede Zielgruppe.
So soll das Thema Klimaschutz regelmäßig und sichtbar über verschiedene Medien verbreitet werden – darunter die städtische Website, ein vierteljährlicher Klima-Newsletter, Social Media, der Fellbacher Stadtanzeiger sowie Presseartikel und Broschüren. Auch Veranstaltungen, Aktionen und Wettbewerbe sind geplant, um Aufmerksamkeit zu schaffen und die Stadtgesellschaft zum Mitmachen zu motivieren.
Private Haushalte sollen neben den genannten Medien auch über Kampagnen, wie eine Solardachpotenzialkampagne oder eine Energiekarawane, motiviert werden. Auch verschiedene Wettbewerbe zur Förderung von Energiesparen, Klimaschutz, Radfahren und anderen relevanten Themen sind geplant. Kinder und Jugendliche sollen mit Schulprojekten an das Thema herangeführt, den Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung mit Workshops und internen Aktionen Wissen vermittelt werden.
Klimaschutz braucht nicht nur gute Ideen und viele Maßnahmen, sondern auch Kontrolle. Ob die Maßnahmen auch wirklich wirken, lässt sich nur durch regelmäßige Überprüfung feststellen.
Deshalb wird der Fortschritt in einem klaren Ablauf geprüft:
- Zuerst wird erfasst, ob die angestrebten Ziele/Zwischenziele erreicht wurden oder nicht.
- Je nach Ergebnis wird eine Strategie zur Nachsteuerung entwickelt.
- Daraufhin wird entschieden, wie es weitergeht– etwa ob bestehende Maßnahmen angepasst oder neue Maßnahmen aufgenommen werden. Außerdem werden die Ziele für die nächste Überprüfung festgelegt
So entsteht ein fortlaufender Zyklus aus Umsetzung, Kontrolle und Weiterentwicklung der Klimaschutzaktivitäten.
Um die Wirkung objektiv messbar zu machen, werden regelmäßig die folgenden konkreten Kennzahlen überprüft:
- CO2-Emissionen pro Einwohner:in
- Erneuerbare Stromerzeugung (Anteil am Gesamtstromverbrauch)
- Erneuerbare Wärmeerzeugung (Anteil am Gesamtwärmeverbrauch)
- Energiebedarf Individualverkehr
- Anzahl der Pkws und Anteil Elektroautos am Pkw-Bestand
Erhoben werden diese Kennzahlen über die Treibhausgas-Bilanz. Nur durch eine regelmäßige Aktualisierung und Auswertung der Bilanz ist es möglich, die Entwicklung der Emissionen genau zu verfolgen und darauf reagieren zu können.