Stadtjäger helfen bei Waschbärenplage


Was ist zu tun, wenn ein Waschbär plötzlich sein Unwesen auf dem eigenen Grundstück treibt? Welche Spätfolgen drohen? Darum ging es bei einer Bürgerinformation im Rathaus am Dienstag, 25.06.2024. Bürgermeisterin Beatrice Soltys stellte im Großen Saal die Fellbacher Stadtjäger vor und auch der Wildtierbeauftragte sowie der Dezernent für Forstwirtschaft des Landkreises waren gekommen, um Fragen zu beantworten.

„Eines muss uns bei den invasiven Arten klar sein, wir werden sie nicht mehr los“, erklärte Frank Beutelspacher, einer der vier Fellbacher Stadtjäger. „Die Frage ist, mit wie vielen wollen beziehungsweise können wir leben?“ Wenn das Problem richtig angegangen werde, könne der Schaden niedrig gehalten werden. Richtig angehen bedeutet, bei einem Verdacht Kontakt zum Stadtjäger aufnehmen. Dieser kann objektspezifisch beraten, Konflikte analysieren, Präventivmaßnahmen empfehlen und Konzepte erstellen. In der Regel seien das Lebendfallen, die Tierschutzkonform betrieben werden, so Beutelspacher.

Für Tiere wie Waschbären seien unsere umzäunten Häuser und Gärten Felsen mit Nischen und Höhlen, machte der Stadtjäger klar. Hier gebe es ausreichend Nahrung und Unterschlupf. Die Folgen: Die invasiven, eingeführte Arten, die ihrer neuen Umgebung schaden, vermehren sich rapide. Die Natur wiederum versucht, diesen Überbestand über Seuchenbezüge wie Viren (Staupe) auszugleichen. Erkrankte Tiere werden apathisch und bauen Kondition ab. „Es ist nicht zu unterschätzen, wenn die mal umschalten“, warnte Beutelspacher zum Beispiel vor Waschbärangriffen.

Dominic Hafner, Wildtierbeauftragter des Rems-Murr-Kreises, rät präventiv dazu, Tierfutter immer wegzuräumen, Garagen und Gartenhäuser abzuschließen, um keinen Unterschlupf zu bieten. Außerdem kann ein Überkletterschutz an Dachrinnen angebracht oder der Gartenteich mit einem Stromzaun gesichert werden.

Ob ein Waschbär auf dem eigenen Grundstück heimisch geworden ist, bemerkt man laut Stadtjäger Jürgen Friedle daran, dass nachts Krach vom Dach komme. Diese Geräusche könnten auch einmal ein paar Tage weg sein, dann sei das Tier allerdings nur beim Nachbarn. Außerdem sei der der Kot, der hoch infektiös ist, ein Zeichen. Stellen Anwohner etwas davon fest, sollte der Stadtjäger kontaktiert werden. Denn: ein Waschbärschaden am Dach kommt einem Totalschaden gleich, der schnell im fünfstelligen Bereich liegen kann.

Gerd Holzwarth, Dezernent für Forstwirtschaft beim Landratsamt, erklärte auf Nachfrage eines Besuchers, dass der Landkreis bereits Peter Hauk, baden-württembergischer Minister für Ländlichen Raum, geschrieben habe, um auf die Problematik der Schonzeit hinzuweisen und eine Gesetzesänderung für invasive gebietsfremde Arten zu erwirken, was abgelehnt worden sei. Nun hätte sich der Rems-Murr-Kreis mit den benachbarten Landkreisen zusammengetan, um das Problem noch einmal beim Ministerium vorzubringen. „Es muss großflächig angegangen werden. Das haben wir beim Thema Nilgans gesehen. Wir lösen diese Themen in Fellbach oder im Kreis nicht allein“, bekräftigte auch Bürgermeisterin Soltys.

Weitere Informationen:

Die Kontaktdaten der Fellbacher Stadtjäger, die vom Auftraggeber bezahlt werden müssen, gibt es online unter www.fellbach.de/Stadtjaeger.

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Redakteur / Urheber
© Mareike Hoff (Stadt Fellbach)