Eine „unvergleichliche Stimme“ der Literatur ist verstummt


Als die in Berlin lebende Lyrikerin 2018 den Fellbacher Mörikepreis verliehen bekommen hat, war sie namentlich nur wenigen Kritikern und Sprachliebhabern bekannt. Doch wer die Schriftstellerin auf der Preisverleihung erleben durfte, behielt sie eindrücklich in Erinnerung. Von sich selbst sagte Elke Erb: „Ich bin außerhalb der Form. Und das ist eine Chance und ein Risiko.“ Am 22. Januar 2024 ist Elke Erb, die im Jahr 2020 auch den renommierten Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen hat, gestorben.

Die 1938 in Rheinland-Pfalz geborene und in Halle aufgewachsene Elke Erb wurde 2018 mit dem Mörikepreis der Stadt Fellbach ausgezeichnet. „Sie nimmt in der literarischen Landschaft der Gegenwart eine herausragende Stellung ein“, stellte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in der Laudatio fest. Sie habe über Jahrzehnte hinweg mit Leidenschaft, Beharrlichkeit, Klugheit und Wahrheit ein großes literarisches Werk geschaffen. „Eine unverwechselbare Stimme, die Zeugnis ablegt von der Kraft der Sprache.“ Im Leben der Lyrikerin spiegelt sich die deutsch-deutsche Geschichte wider. In der DDR aufgewachsen, arbeitete sie zunächst als Landarbeiterin bevor sie Germanistik, Slawistik, Geschichte und Pädagogik studierte. Von der Staatssicherheit kritisch „beäugt“, begann sie 1966 als freie Schriftstellerin und Übersetzerin zu arbeiten.

Elke Erb trat als Verfasserin von Kurzprosa und Lyrik sowie mit Übersetzungen aus dem Russischen hervor. 1988 wurde sie für den vielbeachteten Lyrikband „Kastanienallee“ mit dem Peter-Huchel-Preis geehrt. Die Lyrikerin wurde unter anderem in die Berliner Akademie der Künste berufen und von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Laudatoren lobten ihren „Sprachwitz“, „ihre Originalität“ und „ihren Eigensinn“. Sie erweckte „eine in Verständlichkeit erstickte Sprache wieder zum Leben“, schrieb der Literaturkritiker der Stuttgarter Zeitung, Stefan Kister, angesichts der Verleihung des Georg-Büchner-Preises.

Elke Erb „war nicht Mainstream oder ‚gefällig‘“, wie Oberbürgermeisterin Gabriele Zull betonte. Sie sei unverwechselbar und eine gewichtige Stimme in der Literaturszene gewesen, die jetzt leider verstummt sei. Am 22. Januar starb die Lyrikerin im Alter von 85 Jahren.

Elke ErbElke Erb bei der Verleihung des Mörike-Preises im Fellbacher Rathaus. Foto: Huppenbauer