Neue Ideen für bestehende Gewerbegebiete


Der Gemeinderat zeigte sich von der Studie „Gewerbe Neu Denken“, die im Rahmen des Fellbacher Projektes zur Internationalen Bauausstellung Stuttgart (IBA’27) erstellt wurde, begeistert. Namhafte Stadtplanungs- und Architekturbüros haben in der Studie auf 40 Seiten skizzenhaft erarbeitet, wie eine Nachverdichtung im Gewerbegebiet, die auch eine landwirtschaftliche Nutzung mitdenkt, an der Stuttgarter Straße aussehen könnte.

Noch gibt es keine Tomatensträucher auf den Dächern und der ökologische Gewinn des Gewerbegebietes an der Stuttgarter Straße ist sicher steigerungsfähig. Wie „in vergleichbaren Gebieten aus den 1960er und 1970er Jahren ist die Flächeneffizienz und bauliche Dichte vielerorts gering“, urteilen die Autoren der Konzeptstudie in der Einleitung über das Gewerbegebiet. Die drei beteiligten Stadtplanungs- und Architekturbüros haben an sechs Testentwürfen aufgezeigt, wie eine Nachverdichtung im Bestand aussehen könnte. Die Beispiele sollen greifbar machen, dass Expansion auch in einem bestehenden Gewerbegebiet durchaus möglich ist. Mitgedacht wurde dabei eine landwirtschaftliche beziehungsweise „grüne Nutzung“, die durchaus ambitioniert ist. Auf Dächern oder Parkflächen eine zusätzliche landwirtschaftliche Nutzung einzubringen, sei ein absolutes Zukunftsthema. Angeregt wird Gemüseanbau auf Dächern und an Hausfassaden sowie die Nutzung von Stoff- und Wasserkreisläufen.

„Auch wenn es ein Umdenken fordert – in den bestehenden Gewerbeflächen verfügen wir über Potenzial“, ist sich Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sicher. „Das Thema ist Trend“, stellte auch Baubürgermeisterin Beatrice Soltys bei der Vorstellung der Studie im Gemeinderat fest. Gerade in der Region Stuttgart, in der freie Flächen Mangelware seien, biete die Nachverdichtung von Gewerbeflächen Potenzial. So prüften die Fachbüros An- und Überbauten, Neubauten im Bestand oder auch Aufstockungen. Die Studie sowie die dahinterstehenden Ideen werden auf einer Gebietskonferenz im Januar des kommenden Jahres den Immobilienbesitzern ausführlich vorgestellt. „Das Interesse bei den Eigentümern ist groß“, erklärte Soltys.

Nicht nur Andreas Möhlmann, SPD-Fraktionsvorsitzender, begrüßte mit der Studie den „konzeptionellen Überbau“, der neue Ideen aufzeige. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Franz Plappert bezeichnet die Studie als „Blick nach vorn“ und die Idee der Nachverdichtung als einen „Zug, auf den wir aufspringen müssen.“ „Typische Gewerbegebiete sind grau in grau, langweilig und ohne Grünzüge“, stellte Agata Ilmurzynska, Grünen-Fraktionsvorsitzende, fest. Die Büros zeigten Wege auf, die Flächen anders zu nutzen. „Wir sehen erstmalig, welche Potenziale die Gewerbegebiete haben“, fasste Stadtrat Jörg Schiller, Die Stadtmacher, zusammen.

Die IBA sei der richtige Rahmen solche Ideen auszuprobieren, waren sich die Stadträte und Baubürgermeisterin Soltys einig. Allerdings würden viele Fragen zum Planungsrecht aufgeworfen, so Soltys. „Wir können nur Schritt für Schritt und mit einzelnen Projekten vorangehen.“

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Redakteur / Urheber
© Sabine Laartz (Stadt Fellbach)