Fellbach sammelt deutschlandweit Hilfsgüter für die Ukraine


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Vier Anrufe reichten und die Initiative stand: In Fellbach läuft derzeit eine der größten Hilfsaktionen für die Ukraine. Die Feuerwehren sammeln für den ukrainischen Katastrophenschutz Ausrüstungsgegenstände, die direkt in das Kriegsgebiet gehen. Der Ideengeber Alexander Ernst, Geschäftsführer des Feuerwehrausrüsters Wilhelm Barth GmbH, informierte am Freitagabend die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und Christian Köder, Feuerwehrkommandant Fellbach. Seitdem laufen die Drähte heiß und in der Fellbacher Alten Kelter stapeln sich unter anderem Schutzausrüstungen, Notstromaggregate sowie Werkzeug, Helme und Schläuche. Ab Donnerstag, 3. März, beginnt der Weitertransport in die Ukraine.

„Unfassbar und sehr gut organisiert“, so das einhellige Lob der Feuerwehrleute, die in den vergangenen Tagen ihre Güter an der Alten Kelter abgegeben haben. Sie kommen aus Isny, von der Weinstraße oder auch aus dem Sauerland, aus Remseck, Winnenden oder Aalen – insgesamt 200 Lieferungen sind in den vergangenen drei Tagen an der Kelter abgeliefert worden – einige weitere sind noch angemeldet. Die Fahrzeuge werden von den rund 40 freiwilligen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach in Empfang genommen, entladen und die Ausrüstungsgegenstände gewogen und sortiert. Die Gegenstände werden vielfach gleich in Gitterboxen oder Kartons verpackt. „Wir registrieren Gewicht und Anzahl, da dies für den Weitertransport und die Frachtbriefe wichtig ist“, so ein Helfer.
„Wir haben noch die Gasprüfung und den TÜV gemacht, bevor wir die Küche aufgeladen haben“, erklärt der Feuerwehrmann von der Südlichen Weinstraße, der zusammen mit Kollegen eine Feldküche mit Küchenzelt anliefert. Die Wehr hat im vergangenen Jahr eine neue Küche gekauft, die alte ist aber noch betriebsbereit. Gerade beim Ab- und Umladen sowie dem Verpacken können die Freiwilligen auch auf Spenden der örtlichen Unternehmen zählen. Gabelstapler oder auch Paletten, Gitterboxen und Kartons – „es hängen sehr viele Einzelschritte an der Aktion“, stellt Christian Köder fest. Neben der Mannschaft der Fellbacher Event and Location GmbH, die bei der Organisation unterstützen, haben die Firmen „JustPack“, „DTG“, „Schmalz+Schön“, Koch Spezialtransporte und die Wilhelm Barth GmbH Verpackungsmaterialien beigesteuert. Schmalz+Schön wird zudem einen Teil der Spenden in die Ukraine fahren. Ausrüstung und Geräte, die besonders dringend benötigt werden, sollen auch auf dem Luftweg in die Ukraine gelangen.

Inzwischen ist das Volumen der Aktion deutlich angewachsen. Die Verantwortlichen gehen momentan von fünf LKW- und drei Flugladungen aus – Tendenz weiter steigend. „Wir haben auch von Unternehmen und einem Krankenhaus Spenden bekommen“, so Alexander Ernst. Medizinisches Gerät, Infusionen oder auch ein Krankenwagen ergänzen bereits die Sammlung. „Mehrere Fahrzeuge in verschiedenen Größen sind uns angeboten worden. Hier sind wir noch in der Prüfung, ob und wie die Fahrzeuge in die Ukraine kommen.“ Die Logistik werfe auch so noch einige Fragen auf, da die Frachtlisten erstellt, die Transporte und Flüge angemeldet sowie Fahrzeuge gegebenenfalls überführt werden müssen.

„Wir sind überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft“, freut sich Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Zu Beginn sei nicht klar gewesen, ob und wie die Aktion gelinge. „Innerhalb so kurzer Zeit eine solche Organisation aufzubauen, funktioniert nur, wenn alle gut zusammenarbeiten. Wir können uns hier auf die Feuerwehr absolut verlassen“, ist sich Zull sicher. „Wir wussten nicht, ob sich jemand beteiligt und wie groß wir denken müssen“, so Köder. Doch die Wehren aus Süd- und Mitteldeutschland nahmen den Aufruf, den die Oberbürgermeisterin auch über den Städte- und Gemeindetag verschickt hatte, auf und lieferten. Das Material ist vielfach nach einer Neubestellung oder nach dem kürzlich abgelaufen Zertifikat ausgemustert worden, aber noch voll funktionsfähig und wird direkt dem ukrainischen Katastrophenschutz übergeben. „Wir arbeiten schon lange über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mit der Ukraine zusammen und wissen, dass die Güter dort dringend gebraucht werden“, führte Alexander Ernst aus. Auch der Geschäftsführer war von der Hilfsbereitschaft überrascht und auch von der
Spendenbereitschaft, so werden neben ausrangierten Materialien auch neue Güter gestiftet – beispielsweise ein Löschroboter. Ab Donnerstag wird dieser zusammen mit Feldbetten, Jacken, Notstromaggregate oder Regen- und Einsatzjacken und vielem mehr auf den Weg in die Ukraine gebracht.