Rettungsaktion in zwölf Metern Höhe


Baumkletterer bei der Arbeit

In knapp zwölf Metern Höhe hängt Janet Grolle, eine der beiden Fellbacher Baumpfleger, verletzt an einen Außenast in einer Baumkrone auf dem Alten Friedhof. Ein Kollege bereitet sich vor, um sie zu retten. Gurte, Seile und Karabiner angelegen, dann geht es los. Auf dem Weg nach oben ruft er ihr immer wieder zu.

Er fragt sie, wie es ihr geht. „Das ist wichtig, damit die verletzte Person weiß, dass ihr geholfen wird“, erklärt der Retter. Oben angekommen, übernimmt er sie in sein Klettersystem. Mit der Abseilacht geht es so schnell wie möglich wieder nach unten.

Glücklicherweise handelte es sich dabei nur um eine Übung des jährlichen Rettungsübungskurses der Baumpfleger, den sie zusammen mit dem Baumteam Esslingen absolvieren. Kursleiter ist Timon Haug vom Baumteam Esslingen, das in Fellbach gelegentlich auch bei Baumarbeiten unterstützt. Wichtig sei die jährliche Rettungsübung vor allem, um eine gewissen Routine bei den Abläufen zu bekommen. Denn im Ernstfall muss es schnell gehen.

„Im Idealfall muss die verletzte Person innerhalb von 15 Minuten vom Baum geborgen werden, da es sonst zu einem Hängetrauma kommen kann“, so Haug. Ein Hängetrauma sei ein lebensbedrohlicher Schockzustand, der ausgelöst werden kann, wenn eine Person längere Zeit bewegungslos in einem Gurtsystem hänge. „Während der Arbeit im Baum sind wir ja sonst ständig in Bewegung“, ergänzt er.

Im Anschluss an die Übung gibt es eine kurze Nachbesprechung: Wo gab es Schwierigkeiten, was kann verbessert werden? Währenddessen machen die anderen Baumpfleger eine Sicherheitsunterweisung an und mit der Hubarbeitsbühne. Auch hier kann es zu Unfällen bei nicht ordnungsgemäßer Bedienung des Hubsteigers kommen. Zwar sei es bei ihnen noch nicht zu schlimmeren Unfällen gekommen, sagen die Baumkletterer, Schnittwunden gehörten allerdings häufiger mal dazu. Auch schwere oder gar tödliche Arbeitsunfälle passieren in der Branche leider immer mal wieder, weshalb die Rettungsübungen auch mindestens einmal im Jahr durchgeführt werden müssen.

Seit fast eineinhalb Jahren hat die Stadt ihre beiden Baumpfleger. Im vergangenen Jahr haben sie ihren SKT-A Schein (Seilklettertechnik in der Baumpflege) gemacht. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Ausbildung im grünen Bereich und drei Jahre Praxiserfahrung beispielsweise als Gärtner oder Forstwirte. Janet Grolle und Patrick Franke sind für den Jungbaumschnitt, die Kronenpflege, die Totholzentfernung und das Lichtraumprofil der Stadtbäume mitverantwortlich.

„Es ist eine Erleichterung für die Stadt Fellbach jetzt zwei Baumpfleger zu haben“, meint Matthias Böwing vom Bau- und Betriebshof. Wenn bei Notfällen – zum Beispiel nach einem Sturm – gefährliche Bruchäste entfernt werden müssten, werde dies nun schnell von der Gärtnerabteilung erledigt. „Dadurch müssen wir keine externen Firmen beauftragen, was unter Umständen auf die Schnelle schwierig werden kann.“

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Redakteur / Urheber
© Mareike Spahlinger (Stadt Fellbach)