Mörike-Preis 2021 für Leif Randt


Leif Randt (© Zuzanne Kaluzna) Olivia Wenzel (© Juliane Werner)

Leif Randt (© Zuzanne Kaluzna) | Olivia Wenzel (© Juliane Werner)

Den Mörike-Preis der Stadt Fellbach 2021 erhält der in Berlin lebende Autor Leif Randt auf Vorschlag des Literaturkritikers Ijoma Mangold, der diesmal als Vertrauensperson fungierte. Als Co-Jurorinnen wirkten Prof. Dr. Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, und Prof. Dr. Simone Winko von der Georg-August-Universität Göttingen. Der Mörike-Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wird am 13. Oktober 2021 von Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull verliehen. Den Förderpreis in Höhe von 3 000 Euro hat Leif Randt der Autorin und Performerin Olivia Wenzel zuerkannt.

Ijoma Mangold begründet seine Entscheidung wie folgt: „Leif Randt ist für mich einer der faszinierendsten Schriftsteller der deutschsprachigen Literatur, weil seine Romane eine Gegenwart beschreiben, die uns auf unheimliche Art vertraut vorkommt, für die wir aber ohne Leif Randts Erzählstil, seinen Tonfall, seinen Blick, blind geblieben wären. Er lässt uns das sehen, wofür wir bisher noch keine Begriffe hatten. Genau das soll Literatur, weil nur Literatur das kann.“

Der Mörike-Preis wird 2021 zum elften Mal vergeben – und stets haben Vertrauensperson und Jury ein Gespür für das literarische Geschehen bewiesen. Seit 1991 wurden Wolf Biermann, Sigrid Damm, W. G. Sebald, Robert Schindel, Brigitte Kronauer, Michael Krüger, Ernst Augustin, Jan Peter Bremer, Jan Wagner und Elke Erb ausgezeichnet: Die beiden letzteren erhielten ebenso wie Wolf Biermann und Brigitte Kronauer später auch den Georg-Büchner-Preis, der als renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur gilt.

Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt am Main, ist der bisher mit Abstand jüngste Mörike-Preisträger. Seine präzise beobachtenden, ebenso intelligent wie konsequent konstruierten und dabei leichtfüßigen Romane erfahren seit der Veröffentlichung seines Debüts „Leuchtspielhaus“ 2009 in der Literaturkritik hohe Beachtung und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Nicolas-Born-Debütpreis des Landes Niedersachsen (2010), dem Düsseldorfer Literaturpreis (2012) und dem Erich Fried Preis (2016). Sein viertes Buch „Allegro Pastell“ erschien im März 2020, war nominiert für den Leipziger Buchpreis und stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Der Science-Fiction-Roman „Planet Magnon“ (2015) wurde vom Spiegel in die Liste „50 Bücher unserer Zeit“ aufgenommen. Für einen Auszug aus „Schimmernder Dunst über CobyCounty“, das 2011 erschien und von der Frankfurter Allgemeine Zeitung als „fast epochaler Generationenroman“ gelobt wurde, erhielt er im selben Jahr den Ernst-Willner-Preis beim Klagenfurter Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Leif Randt hat Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim studiert und lebt in Berlin.

Förderpreis für Olivia Wenzel

Zum Mörike-Preis gehört ein Förderpreis, über den der Preisträger entscheidet. Er ist mit 3 000 Euro dotiert. Leif Randt hat den Mörike-Förderpreis 2021 der in Berlin lebenden Autorin und Performerin Olivia Wenzel zuerkannt. Geboren 1985 in Weimar, studierte sie Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Ihr erster Roman „1000 Serpentinen Angst“, hochgelobt vom deutschen Feuilleton, stand 2020 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet. Neben Prosa schreibt sie Theatertexte, die u. a. in den Münchner Kammerspielen und dem Deutschen Theater Berlin zur Aufführung kommen, und tritt als Musikerin und Performerin auf. In ihren Texten setzt sie sich häufig mit den diversen Rollen der Menschen in der Gesellschaft und der Vereinzelung und Entfremdung des Subjekts auseinander und reflektiert über Identität, Diskriminierung, Kapitalismus und moderne Technologien.

Literaturtage zum Mörike-Preis

Rund um die Mörike-Preisverleihung finden Literaturtage statt, die sich mit dem Namensgeber des Preises und den Preisträgern beschäftigen. Der Mörike-Preis wird am Mittwoch, 13. Oktober, um 19 Uhr, im Rathaus Fellbach von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull feierlich übergeben. Die Laudatio auf Leif Randt spricht Ijoma Mangold, Leif Randt selbst hält seine Mörike-Rede. Am Tag zuvor bereits, 12. April, 19 Uhr, wird in der Galerie der Stadt eine Ausstellung mit Werken des Berliner Künstlers und Dokumentarfilmers Adam Kaplan eröffnet, den Leif Randt vorgeschlagen hat. An seinen Arbeiten schätzt er vor allem den „eigensinnigen Humor“, der sie auszeichnet. Vertrauensperson Ijoma Mangold liest aus seinem Buch „Der innere Stammtisch. Ein politisches Tagebuch“ am 14. Oktober, 18 Uhr, in der Stadtbücherei, am selben Tag um 20 Uhr sind Leif Randt und Olivia Wenzel dort zu Gast. Ihre Lesung wird moderiert von Moritz Heger, dem Leiter des Stuttgarter Schriftstellerhauses. Bernhard Mohl, der musikalische Tausendsassa aus Tübingen, singt MÖRIKE UNPLUGGED am 24. Oktober, 17 Uhr, im StadtMuseum: 29 Lieder hat er nach Gedichten von Eduard Mörike komponiert und arrangiert. Begleitet von Ukulele und Gitarre, bringt er dem Dichter seine Ständchen vor dem MörikeKabinett. Die literarische Reihe HEIMat/HERkunft verbindet die Literaturtage mit der 900-Jahr-Feier Fellbachs, die unter dem Motto „Wir in Fellbach“ nicht zuletzt nach dem Heimatgefühl der Bürgerinnen und Bürger fragt: Die drei Mörike-Förderpreisträgerinnen und -Förderpreisträger Marie T. Martin, Sandra Hoffmann und Doron Rabinovici lesen an drei Samstagnachmittagen (16. Oktober, 23. Oktober, 30. Oktober, jeweils 16 Uhr) von Heimat und sprechen über Herkunft – bei schwäbischem Hefezopf oder Kaffee und Kuchen im alteingesessenen Hotel Bürkle. Das Mörike-Programm für Kinder beginnt am 12. Oktober mit dem Theaterstück „Das Glück in den Schuhen oder Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ im Großen Haus Schmiden (ab 8 Jahren). In einer Kooperation zwischen Kulturamt und Kunstschule erstellen Grundschülerinnen und -schüler mit der Künstlerin Andrea Liebe einen Trickfilm zu Mörike-Gedichten, der im MörikeKabinett des StadtMuseums zu sehen sein wird. Für Erwachsene erscheint ein Rätsel zu Mörike, das im StadtMuseum und in der Stadtbücherei ausliegt.

Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei, bis auf das Kindertheaterstück „Das Glück in den Schuhen“, das 5 € kostet. Die kostenlosen Karten gibt es ab 20. September im i-Punkt Fellbach. Für die Preisverleihung ist eine Anmeldung im Kulturamt nötig unter Telefon 0711 5851 364 oder E-Mail kulturamt@fellbach.de

Das Programmheft mit allen Informationen ist beim Kulturamt erhältlich und wird auf Wunsch auch gerne zugeschickt. Kulturamt Fellbach, Telefon 0711 5851-364, E-Mail kulturamt@fellbach.de, Internet www.fellbach.de

^
Redakteur / Urheber
© Constanze Clostermeyer-Frank (Stadt Fellbach - Kulturamt)